500 Kilometer, 8.848 Höhenmeter und eine Nacht allein auf der Strecke. Fabian Wurm über ein Straßenrennen, das für ihn vor allem eines war: ein Test.

Fabian Wurm im lila Trikot beim Ardennen Monster 2026
Fabian Wurm auf der 500-Kilometer-Strecke des Ardennen Monster.

Als ich mich für das Ardennen Monster 2026 angemeldet habe, war ich mir ehrlich gesagt selbst nicht so ganz sicher, worauf ich mich da eigentlich einlasse.

Ich war schon lange kein Straßen-Event mehr gefahren. Je näher der Start rückte, desto größer wurde auch die innere Panik. Das Ardennen Monster ist einfach etwas völlig anderes als die Rennen und Events, die ich sonst fahre.

Im Wald gibt es ganz andere Einflüsse. Man hört mehr, man sieht mehr und nimmt die Umgebung viel intensiver wahr. Genau deshalb war das Event für mich zunächst vor allem eines: ein Test.

Ich wollte herausfinden, wie ich mit dieser für mich ungewohnten Situation klarkomme.

Möglichst wenig planen

Nach Rücksprache mit meinem Chef bekam ich nur einen Tag Urlaub. Deshalb entschied ich mich für die 500 Kilometer. Mein Gedanke war relativ simpel: Wenn alles einigermaßen läuft, sollte das innerhalb von 24 Stunden machbar sein.

Einen wirklichen Rennplan hatte ich allerdings nicht.

Eigentlich hatte ich mich überhaupt nicht vorbereitet. Erst wenige Tage vor dem Start wurde mir bewusst, dass der Start am Abend stattfindet. Den Track hatte ich mir ebenfalls kaum angeschaut.

Das war aber tatsächlich ein Stück weit Absicht. Belgien ist nicht besonders weit von meiner Heimat entfernt und ich war schon öfter in der Gegend. Ich wollte das Rennen als Abenteuer erleben und möglichst wenig vorher wissen.

Den Tag vor dem Rennen verbrachte ich entsprechend entspannt zu Hause. Ich räumte meine Wohnung auf, erledigte meinen normalen Alltag und machte eigentlich nichts, was man klassischerweise als Rennvorbereitung bezeichnen würde.

Mittags fuhr ich irgendwann mit dem Auto los. Viel Zeit wollte ich vor Ort ebenfalls nicht verbringen, weil mich das Warten und die ganze Atmosphäre vor einem Rennen eher nervös machen.

Fabian Wurm in einem frühen Abschnitt des Ardennen Monster
Auf den ersten Kilometern bildeten sich immer wieder kleine Gruppen.

Mein einziger Plan: vor der Dunkelheit schnell sein

In der Dunkelheit fahre ich langsamer und fühle mich auf unbekannter Strecke einfach unsicherer. Also wollte ich die ersten Stunden nutzen, um möglichst viele Kilometer zu machen, bevor es dunkel wird.

Auch bei der Ausrüstung wollte ich es bewusst einfach halten.

Ich hatte meine Rahmentasche dabei, in der unter anderem das First Aid Kit und die vorgeschriebene Warnweste verstaut waren.

Für die Flüssigkeitsversorgung hatte ich meine Hydration Vest mit einer Zwei-Liter-Wasserblase dabei. Zusätzlich hatte ich für die ersten Stunden Wasserflaschen dabei, in denen jeweils Kohlenhydrate enthalten waren.

Bei der Verpflegung blieb es ebenfalls simpel: Cheeseburger, normale Riegel und alles, was man unterwegs eben kaufen konnte.

Der Start an der Zitadelle von Namur

Nach der Registrierung und den letzten Vorbereitungen ging es um 20:00 Uhr an die Startlinie.

Von der Zitadelle von Namur ging es zunächst bergab und direkt in einen steilen Anstieg hinein.

Ich wusste, dass nach ungefähr 40 Kilometern die Mur de Huy kommt. Ein brutaler, steiler Anstieg. Schon davor bildeten sich immer wieder kleine Gruppen.

Ich selbst fuhr zunächst ziemlich flott. In den ersten beiden Stunden lag meine Leistung bei knapp 300 Watt. Für meine Größe und mein Gewicht ist das ordentlich.

Meine Übersetzung war dabei nicht unbedingt optimal. Mit 52/36 vorne und einer 30er Kassette hinten war ich für diese Rampen relativ hart übersetzt.

Allerdings war das eben das Setup, mit dem ich auch zu Hause fahre. Deshalb wollte ich dafür nichts extra verändern.

Das Fahrrad machte glücklicherweise alles problemlos mit.

Fabian Wurm mit Hydration Vest und Rahmentasche auf der Strecke
Bewusst einfach unterwegs: Hydration Vest, Rahmentasche und nur das Nötigste für die Strecke.

Alleine durch die Nacht

Als es langsam dunkel wurde, lösten sich die Gruppen für mich immer mehr auf. Irgendwann fuhr ich komplett alleine in die Nacht hinein.

Beim Ardennen Monster war es erlaubt, in kleinen Gruppen zu fahren und auch im Windschatten zu bleiben. Für mich persönlich entspricht das allerdings nicht wirklich der Art, wie ich Rennen fahren möchte.

Deshalb entschied ich mich bewusst dagegen und fuhr alleine weiter.

Gerade nachts macht mir das sogar besonders viel Spaß.

Wenn es dunkel wird und man plötzlich komplett auf sich allein gestellt ist, verändert sich das ganze Erlebnis. Es wird ruhiger. Man hat Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen und die Umgebung wahrzunehmen.

Ich bin bewusst ohne Kopfhörer gefahren. Keine Musik, kein Podcast. Einfach nur das Fahrrad, die Straße und die Umgebung.

Ich war komplett in meinem Element.

Und ungefähr so, wie ich in die Nacht hineingefahren war, kam ich auch wieder aus ihr heraus. Alleine.

Der erste Checkpoint

Gegen 6:00 Uhr morgens erreichte ich schließlich einen Checkpoint.

Dort fuhr ich noch auf drei andere Fahrer auf. Ich nahm mir zwei Kaffee, packte noch einmal etwas Verpflegung ein und machte mich anschließend wieder auf den Weg.

Danach sollte sich eigentlich nichts Grundlegendes ändern.

Ein ganzer Tag alleine auf der Straße

Der komplette Tag verlief eigentlich genauso wie die Nacht zuvor: alleine auf der Straße.

Kein Fahrer vor mir, keiner hinter mir.

Irgendwann merkte ich allerdings, dass die Müdigkeit langsam ihren Tribut forderte. An einem Parkplatz entschied ich mich deshalb aus Sicherheitsgründen für einen kurzen 15-Minuten-Powernap.

Einfach kurz hinlegen, Augen zu und den Kopf wieder frei bekommen.

In genau diesem Moment überholten mich zwei andere Fahrer.

Normalerweise hätte mich das wahrscheinlich geärgert oder zumindest beschäftigt. In diesem Moment war es mir aufgrund meiner Müdigkeit allerdings ziemlich egal.

Die Sicherheit ging einfach vor.

Nach dem Powernap versuchte ich noch einmal, etwas Zeit auf der Strecke gutzumachen. Ich merkte aber relativ schnell, dass das nicht mehr wirklich möglich war.

Also fuhr ich einfach meine eigene Pace weiter.

Kilometer für Kilometer ging es zurück Richtung Namur.

Zurück in Namur wurde ich vom Ardennen-Monster-Team herzlich in Empfang genommen.

Nach 500 Kilometern, einer Nacht alleine auf der Strecke und nahezu 8.848 Höhenmetern war das Rennen vorbei.

Mit Platz 9 bin ich angesichts der provokanten Nicht-Vorbereitung ziemlich zufrieden.

22 Stunden und 49 Minuten für 500 Kilometer und nahezu 8.848 Höhenmeter sind für mich völlig in Ordnung. :)

Vor allem aber war das Ardennen Monster genau das, was ich mir davon erhofft hatte: ein Test.

Ein Test dafür, wie ich mit einer für mich ungewohnten Strecke, der Dunkelheit, der Müdigkeit und dem langen Alleinfahren klarkomme.

Und vielleicht war gerade die Tatsache, dass ich so wenig vorbereitet war, ein Teil des Abenteuers.

Manchmal muss man offenbar einfach losfahren und schauen, was passiert.

Fabian Wurm nach dem Zieleinlauf beim Ardennen Monster 2026
Nach 22 Stunden und 49 Minuten zurück in Namur.
Fabian Wurm

Über den Autor

Fabian Wurm

Fabian ist seit 2019 Teil der Ultra- und Bikepacking-Szene. Sein Fokus liegt auf Offroad-Rennen, bei denen für ihn Abenteuer, Abgeschiedenheit und ein kontrollierter, sicherer Ansatz im Mittelpunkt stehen.

Mehr über Fabian erfahren

Text: Fabian Wurm. Bilder: Tanguy Sterckx (@tanguy_on_the_field) und Rémy Murez (@murez.remy).

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