Zwei Gravelbiker mit CYCLITE Bikepacking-Taschen im Gebirge

Wie groß der aerodynamische Preis von 37,8 Litern Packvolumen wirklich ist

Es gibt beim Bikepacking den Moment, in dem Aerodynamik plötzlich sehr viel greifbarer wird, als jede Formel vermuten lässt. Meist taucht er am späten Nachmittag auf, wenn der Tag bereits länger geworden ist als geplant und der Campingplatz noch 30 km entfernt liegt. Der Körper hätte inzwischen gern eine Pause, der Kopf denkt bereits an eine warme Mahlzeit, während der Wind seit Stunden aus genau jener Richtung kommt, in die der Weg führt.

Auf dem Tacho stehen vielleicht nur 18 km/h. Das Tempo fühlt sich gemütlich an, zumindest nach den Maßstäben sportlicher Rennradfahrer. Trotzdem kostet jeder Kilometer erstaunlich viel Kraft. Das voll beladene Fahrrad wirkt zäher als am Morgen, die Landschaft bewegt sich nur langsam vorbei und irgendwann entsteht das Gefühl, jemand würde von hinten am Gepäck ziehen.

Solche Tage gehören zum Reisen mit dem Fahrrad. Sie machen einen Teil des Abenteuers aus, weil sich hinter einem langen Gegenwindabschnitt oft genau jene Abfahrt, Begegnung oder Kuchenpause verbirgt, an die man sich Jahre später noch erinnert. Gleichzeitig zeigen sie sehr deutlich, weshalb Aerodynamik auch beim gemütlichen Bikepacking eine Rolle spielt. Sie entscheidet auf einer Bikepacking-Tour darüber, wie viel Energie für den letzten Anstieg noch bleibt.

Wir wollten deshalb wissen, welchen aerodynamischen Preis ein vollwertiges Bikepacking-Setup tatsächlich hat. Dabei interessierte uns vor allem eine Frage, die näher am echten Reisealltag liegt als der Vergleich mit einem vollkommen leeren Fahrrad: Wie effizient lässt sich das Gepäck transportieren, das auf einer längeren Tour ohnehin mitfahren muss?

Patrick Zasada

Über den Autor

Dieser Artikel wurde von Patrick Zasada verfasst. Als Gravelbiker, Bikepacker und Langstreckenabenteurer verbindet er praktische Erfahrung mit verständlich aufbereiteten Erkenntnissen zu Ausrüstung, Planung und Aerodynamik. Seine Touren führten ihn unter anderem bis an die portugiesische Atlantikküste und zum Nordkap. Mehr über Patrick findest du auf seiner Website.

Auf einer langen Reise gehört Gepäck zum Bike

Je länger die Tour dauert und je wechselhafter die Bedingungen werden, desto deutlicher zeigt sich, dass Reduktion immer einen realistischen Rahmen braucht. Auf längeren Reisen entsteht deshalb eine Balance aus geringem Gewicht, ausreichend Sicherheit und dem persönlichen Komfort, den man nach vielen Stunden im Sattel noch zu schätzen weiß. Das Gepäck verschwindet also nicht, nur weil ein leeres Fahrrad aerodynamisch günstiger wäre. Die entscheidende Aufgabe besteht darin, das notwendige Volumen möglichst effizient am Rad unterzubringen. Wer herausfinden möchte, welche Ausrüstung auf der nächsten Radreise wirklich in die CYCLITE Taschen gehört, findet im Packlisten-Konfigurator von Patrick Zasada eine individuell abgestimmte Empfehlung.

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Warum Aerodynamik auch bei gemütlichem Tempo zählt

Beim Thema Aerodynamik denken viele zuerst an Hochprofilfelgen und Rennräder, die mit 45 km/h über eine vollkommen glatte Straße fliegen. Eine gemütliche Radreise mit Gravelpassagen, Fotopausen und einer ausgedehnten Mittagspause scheint weit davon entfernt zu sein. Die Physik begleitet das Fahrrad jedoch auch dann, wenn das Tagesziel ganz entspannt erreicht werden soll.

Der Luftwiderstand hängt von der Geschwindigkeit relativ zur Luft ab. Genau darin liegt der wichtige Unterschied zur Zahl auf dem Tacho. Wer mit 10 km/h einen steilen Abschnitt hinauffährt und dabei 20 km/h Gegenwind abbekommt, wird aerodynamisch mit ungefähr 30 km/h angeströmt. Für den Luftstrom zählt die Kombination aus Fahrgeschwindigkeit und Wind, während die Landschaft weiterhin nur mit 10 km/h vorbeizieht.

Ein Radreisender kann deshalb langsam unterwegs sein und trotzdem einen erheblichen Luftwiderstand spüren. Besonders auf offenen Ebenen, an Küsten oder in weitläufigen Bergtälern summiert sich dieser Effekt über viele Stunden. Bei moderater Geschwindigkeit fällt die unmittelbare Ersparnis in Watt kleiner aus als bei hohem Tempo. Gleichzeitig verbringen gemütliche Fahrer mehr Zeit auf der Strecke. Wer bei gleicher persönlicher Leistung durch eine günstigere Gepäckanordnung etwas schneller fährt, sammelt diesen kleinen Unterschied über viele Stunden und zahlreiche Reisetage. Auf einer einzelnen kurzen Etappe mag das kaum auffallen, über mehrere Wochen können daraus entspanntere Ankünfte, längere Pausen und einige zusätzliche Stücke Kuchen werden. Im herangezogenen Velodrom-Vergleich summierte sich der Unterschied zwischen großen Hinterradtaschen und einem Bikepacking-Setup bei rund 200 Watt auf etwa zwölf Minuten pro 100 Kilometer. Das kann im Zweifel darüber entscheiden, ob man noch etwas länger am See liegen bleiben kann oder ob man doch vor verschlossenen Türen steht, weil die Rezeption am Campingplatz bereits geschlossen hat.

Aerodynamische Effizienz bedeutet auf einer Radreise daher vor allem, weniger Energie an den Wind abzugeben. Die gewonnene Energie kann in mehr Reichweite fließen, in ein angenehmeres Tempo oder schlicht in frischere Beine am Ende des Tages.

Die Frage hinter dem Test

Für den Outdoor-Aerotest wurden drei Konfigurationen miteinander verglichen. Als Referenz diente das Gravelbike ohne Bikepacking-Taschen. Anschließend wurde das vollständige CYCLITE Touring Set mit HANDLE BAR AERO BAG getestet. In einer dritten Messreihe blieb die übrige Touring-Konfiguration am Fahrrad, während die HANDLE BAR AERO BAG entfernt wurde.

Das Systemgewicht blieb in allen drei Hauptmessungen gleich. Unterschiede durch Taschen und Gepäck wurden mit einem Ausgleichsgewicht am Fahrer kompensiert, sodass Rollwiderstand und Fahrdynamik möglichst vergleichbar blieben. Reifen, Reifendruck, Fahrerposition, Kleidung und weitere entscheidende Faktoren wurden ebenfalls konstant gehalten. Gemessen wurde damit die aerodynamische Wirkung des vollständigen Systems aus Fahrer, Fahrrad, Taschen und Beladung.

Die Messungen fanden auf einer flachen, rund einen Kilometer langen Teststrecke statt. Patrick fuhr die Strecke mehrfach in beide Richtungen und hielt Leistung sowie Position in den Aerobars so konstant wie möglich. Mit AeroTune wurden Leistung, Geschwindigkeit, Streckenverlauf und Umgebungsdaten ausgewertet. Die Software gleicht die Messwerte mit einem physikalischen Fahrwiderstandsmodell ab und schätzt daraus den aerodynamischen Widerstand des gesamten Aufbaus. Die Fahrten in beide Richtungen helfen dabei, den Einfluss des Windes rechnerisch zu erfassen und wechselnde Bedingungen möglichst weit auszugleichen.

Nach den ersten Messreihen bestätigte sich zunächst, was man von einem voll beladenen Fahrrad erwarten würde. Das Touring Set erhöhte den Luftwiderstand gegenüber dem leeren Referenzrad. Die eigentliche Überraschung lag jedoch darin, wie klein dieser zusätzliche Widerstand gemessen am transportierten Volumen ausfiel und welche Taschenpositionen sich innerhalb des gesamten Aufbaus besonders günstig verhielten.

Was das vollständige Touring Set tatsächlich kostet

Das unbeladene Referenz-Setup erreichte einen gemessenen CdA-Wert von 32,00 dm². Mit dem vollständigen Touring Set und der HANDLE BAR AERO BAG stieg dieser Wert auf 34,10 dm². Das entspricht einer Erhöhung um rund 6,6 Prozent. Die Differenz lag deutlich oberhalb der ermittelten Messunsicherheit und zeigt damit einen klaren Einfluss des gesamten Gepäcksystems.

Entscheidend wird die Einordnung, sobald diese abstrakten Werte in den tatsächlichen Leistungsbedarf übersetzt werden. Bei 25 km/h benötigte das vollständige Touring Set etwa vier Watt mehr als das unbeladene Fahrrad. Bei 33 km/h wuchs der Unterschied auf rund zehn Watt, bei 40 km/h auf etwa 18 Watt. Der stärkere Anstieg bei hohem Tempo folgt der bekannten Wirkung des Luftwiderstands, der mit zunehmender Geschwindigkeit immer schneller an Bedeutung gewinnt.

Für eine modellierte Strecke von 100 Kilometern mit 200 Watt Durchschnittsleistung ergab sich eine zusätzliche Fahrzeit von drei Minuten. Die durchschnittliche Geschwindigkeit sank dabei von 30,29 auf 29,85 km/h. Ein vollständig beladenes Bikepacking-Rad war im Modell also erwartungsgemäß langsamer, doch der Abstand blieb angesichts des großen Packvolumens überraschend überschaubar.

Bei einem typischen Reisetempo um 25 km/h entspricht der aerodynamische Preis des gesamten Touring Sets ungefähr der Leistung einer kleinen Fahrradlampe. Diese vier Watt werden auf einer langen Fahrt durchaus spürbar, liegen aber weit von jenem Widerstand entfernt, den breite, seitlich herausragende Gepäcklösungen erzeugen können.

Der Grund dafür liegt wahrscheinlich in der Anordnung des Volumens. Die Taschen folgen überwiegend der Längsachse des Fahrrads. Die Rahmentasche füllt den Bereich innerhalb des Hauptrahmens, die Satteltasche liegt hinter Fahrer und Sattel, während das Frontgepäck kompakt im Bereich des Cockpits untergebracht wird. Dadurch bleibt die zusätzliche Fläche, die frontal in den Wind ragt, vergleichsweise klein. Die Lenkerrolle dürfte vermutlich den größten negativen Einfluss auf das Gesamtsystem haben. Wenn Zelt, Isomatte, Schlafsack oder andere sperrige Gegenstände mitmüssen, gibt es hierzu aber kaum bessere Alternativen.

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Sieben aufeinander abgestimmte Taschen bieten insgesamt 37,8 Liter Volumen und verteilen das Gepäck kompakt entlang von Rahmen, Sattel und Cockpit.

Die erste Überraschung steckte mitten im Rahmen

Neben den aktuellen Touring-Messungen lag ein älteres Testprotokoll vor, in dem eine Konfiguration aus Rahmen- und Oberrohrtaschen untersucht worden war. Diese Messung ergab einen CdA-Wert von 32,05 dm². Das aktuelle Referenz-Setup ohne Taschen lag bei 32,00 dm². Beide Werte sind nahezu identisch.

Die Messungen fanden an unterschiedlichen Tagen und unter abweichenden Bedingungen statt, deswegen sind die exakten Werte mit Vorsicht zu betrachten. Dennoch ist das Ergebnis überraschend, denn Rahmen- und Oberrohrtaschen schaffen ein beachtliches nutzbares Volumen, während ihre gemessene aerodynamische Wirkung kaum von der Referenz abweicht.

Eine Rahmentasche befindet sich innerhalb der ohnehin vorhandenen Kontur des Fahrrads. Von vorn betrachtet füllt sie überwiegend einen Bereich zwischen Oberrohr, Unterrohr und Sitzrohr, der bereits von Rahmen, Flaschen und den Beinen des Fahrers beeinflusst wird. Eine schmale Oberrohrtasche folgt ebenfalls sehr eng der Form des Bikes und fügt nur wenig zusätzliche Fläche hinzu.

Für die Praxis spricht daher vieles dafür, diese Positionen früh zu nutzen. Werkzeug, Elektronik, Lebensmittel und schwerere Ausrüstung lassen sich zentral verstauen, wodurch das Fahrverhalten ruhig bleibt und die zusätzliche Angriffsfläche gering ausfallen kann. Auf einer langen Tour entsteht so ein besonders wertvoller Stauraum, der aus aerodynamischer Sicht beinahe im Fahrrad zu verschwinden scheint.

Zentralen Stauraum entdecken

FRAME BAG LARGE / 02 und TOP TUBE BAG LARGE / 02 bringen Gepäck nah an die Kontur des Fahrrads.

Der spannendste Moment entstand am Lenker

Nach dem vollständigen Touring Set wurde dieselbe Konfiguration ohne die HANDLE BAR AERO BAG getestet. Der restliche Aufbau blieb erhalten, das fehlende Gewicht wurde erneut ausgeglichen. Auf dem Papier hatte das Fahrrad jetzt eine Tasche weniger und hätte damit intuitiv etwas günstiger durch den Wind gehen können.

Die Messwerte erzählten eine andere Geschichte.

Mit HANDLE BAR AERO BAG lag der CdA des Touring-Setups bei 34,10 dm². Nach dem Entfernen der Tasche stieg er auf 34,70 dm². Bei 25 km/h benötigte die Konfiguration ohne AERO BAG rund zwei Watt mehr, bei 33 km/h waren es etwa drei Watt und bei 40 km/h betrug der Unterschied fünf Watt. In der Modellrechnung über 100 Kilometer war das vollständige Setup mit der Tasche ungefähr eineinhalb Minuten schneller als dieselbe Konfiguration ohne sie.

Die Differenz von 0,60 dm² liegt nahe am kombinierten Unsicherheitsbereich des Outdoor-Tests. Der genaue Wattwert sollte deshalb als positive Tendenz innerhalb dieses konkreten Aufbaus verstanden werden. Gleichzeitig verlief das Ergebnis über die betrachteten Geschwindigkeiten schlüssig und stimmte mit einer bereits vorhandenen Vermutung über den Frontbereich überein.

Wahrscheinlich formt die HANDLE BAR AERO BAG den Übergang zwischen Cockpit, Lenkerrolle und Fahrer günstiger. Eine offen angeströmte Lenkerrolle erzeugt an ihren Kanten und Übergängen Verwirbelungen. Die zusätzliche Tasche kann diesen Bereich glätten und den Luftstrom kontrollierter um das gesamte Paket führen. Ihre eigene Oberfläche wird dabei durch eine günstigere Form des vollständigen Frontaufbaus kompensiert.

Der Test machte den Luftstrom selbst nicht sichtbar, weshalb diese Erklärung eine plausible Interpretation bleibt. Gemessen wurde das Ergebnis des gesamten Systems, und innerhalb dieses Systems verlangte die Konfiguration mit HANDLE BAR AERO BAG bei 40 km/h fünf Watt weniger Leistung als die identische Touring-Ausstattung ohne diese Tasche.

Damit zeigte sich eine der interessantesten Erkenntnisse der gesamten Untersuchung: Bei Fahrradtaschen entscheidet die Wirkung auf die Gesamtform stärker als die reine Anzahl der montierten Taschen.

HANDLE BAR AERO BAG / 02 entdecken

Die 4,9-Liter-Lenkertasche lässt sich einzeln oder zusammen mit der HANDLE BAR ROLL BAG / 02 einsetzen. Im Outdoor-Test zeigte der vollständige Frontaufbau mit AERO BAG eine positive aerodynamische Tendenz.

Der realistische Vergleich beginnt bei anderen Gepäcksystemen

Ein unbeladenes Gravelbike liefert eine saubere technische Referenz, bildet eine mehrwöchige Radreise jedoch nur theoretisch ab. Auf einer zweimonatigen Tour müssen Kleidung, Schlafausrüstung, Werkzeug, Verpflegung und Wetterschutz ihren Platz finden. Sobald dieses Volumen feststeht, wird die Art seiner Unterbringung zur eigentlichen Entscheidungsfrage.

Große Heck-Panniers bieten viel Platz und lassen sich unkompliziert bepacken. Ihre breite Anordnung links und rechts des Hinterrads vergrößert allerdings die frontale Fläche des Fahrrads deutlich. Außerdem stehen sie bei schrägem Wind weit außerhalb der Kontur von Fahrer und Rahmen, wodurch zusätzlicher Widerstand entsteht.

Im Prüfbericht werden für zwei große Hinterradtaschen mit ähnlichem Gesamtvolumen Vergleichswerte von ungefähr 14 Watt bei 25 km/h und 59 Watt bei 40 km/h genannt. Das vollständige CYCLITE Touring Set lag unter den jeweiligen Modellbedingungen bei etwa vier beziehungsweise 18 Watt zusätzlichem Leistungsbedarf. Da diese Werte aus unterschiedlichen Tests stammen, beschreiben sie eine Größenordnung und keinen unmittelbaren Vergleich unter identischen Bedingungen.

Ein zitierter Velodrom-Test zeigt eine ähnliche Richtung. Dort wurden unterschiedliche Gepäckkonfigurationen mit gleichem Gewicht und rund 200 Watt gefahren. Mit Bikepacking-Taschen lag die Durchschnittsgeschwindigkeit bei 30,17 km/h, mit zwei großen hinteren Panniers bei 28,20 km/h. Die Pannier-Konfiguration war damit rund 6,5 Prozent langsamer und benötigte auf die hochgerechneten 100 Kilometer etwa zwölf Minuten mehr. Die getesteten Panniers fassten jeweils ungefähr 21 Liter, weshalb auch dieses Ergebnis vor allem als Orientierung für große, seitlich ausladende Taschen dient.

Der Unterschied entsteht durch die Form des gesamten Fahrrads. Volumen, das innerhalb des Rahmens oder längs hinter Fahrer und Lenker liegt, bleibt größtenteils in einer schmalen Silhouette. Seitlich angeordnete Taschen machen aus dem Fahrrad eine deutlich breitere Fläche, die bei Gegenwind und schräger Anströmung stärker belastet wird.

Für Reisen auf schmalen Wegen, in dichtem Verkehr oder auf windigen Hochflächen bringt eine kompakte Anordnung noch weitere Vorteile. Das Bike lässt sich beispielsweise leichter durch Engstellen oder Trails bewegen. Aerodynamik und Fahrbarkeit folgen hier derselben grundlegenden Idee: Das Gepäck sollte möglichst nah am Fahrrad bleiben.

CYCLITE FRAME BAG LARGE / 02 in Light Grey auf Tour

Vier Watt können einen langen Tag verändern

Vier Watt bei 25 km/h klingen zunächst klein. Auf einer gemütlichen Tour verschwinden sie im Wechsel aus Steigungen, Schotter, Ampeln und Fotopausen. Über viele Stunden entsteht daraus trotzdem eine reale Energiemenge, die der Fahrer zusätzlich aufbringen muss.

Wer acht Stunden am Tag unterwegs ist, spürt die Summe aus Gegenwind, rauem Untergrund, kleinen Anstiegen, Müdigkeit und einem Fahrrad, das ständig ein wenig mehr Leistung verlangt. Genau deshalb lohnt es sich, unnötigen Widerstand an mehreren Stellen zu reduzieren. Jede einzelne Verbesserung bleibt bescheiden, gemeinsam entscheiden sie jedoch darüber, wie sich das Fahrrad nach 120 Kilometern anfühlt.

Der gleiche Gedanke gilt für die Fahrzeit. Ein aerodynamisch günstigeres Setup bringt auf einer kurzen Strecke möglicherweise nur Sekunden oder wenige Minuten. Auf langen Reisetagen wächst der Abstand, weil die kleine Differenz über jeden einzelnen Kilometer wirksam bleibt. Wer langsamer fährt, ist zudem länger unterwegs und damit länger dem Wind ausgesetzt. Unter gleichbleibender eigener Leistung kann bereits ein geringer Geschwindigkeitsunterschied über mehrere Stunden zu einer spürbaren Zeitdifferenz anwachsen.

Noch deutlicher wird der Effekt bei Gegenwind. Bei 20 km/h Fahrgeschwindigkeit und 20 km/h frontalem Wind trifft die Luft mit ungefähr 40 km/h auf Fahrrad und Fahrer. Unter diesen Bedingungen wird eine breite Gepäcklösung aerodynamisch ähnlich stark beansprucht wie bei einer sehr schnellen Fahrt.

Aerodynamik sorgt deshalb auf Radreisen vor allem für Ruhe im System. Das Fahrrad hält sein Tempo mit etwas weniger Einsatz, lange Flachstücke fühlen sich flüssiger an und ein windiger Nachmittag kostet weniger Reserven. Vielleicht erreicht man die Unterkunft ein paar Minuten früher. Vielleicht bleibt am letzten Anstieg genug Kraft, um die Aussicht zu genießen. Und vielleicht ist die Bäckerei noch geöffnet, wenn man endlich im nächsten Ort ankommt.

Effizienz schafft mehr Raum für das eigentliche Abenteuer

Patrick beschreibt seine erste große Radreise nach Portugal als einen Monat, der sich wie ein ganzes Jahr anfühlte. Auf dem Weg lagen die Alpen, zahlreiche Begegnungen und schließlich der Atlantik. Der Wert einer solchen Reise lässt sich nicht mit Wattwerten erklären. Er entsteht aus dem Gefühl, aus eigener Kraft immer weiter in eine unbekannte Landschaft hineinzufahren.

Trotzdem bestimmt das Setup, wie viel Energie für genau diese Erlebnisse übrig bleibt. Ein schlecht verteiltes Gepäcksystem kann das Fahrrad über Wochen träge machen, bei Seitenwind ständig am Lenker ziehen und auf jeder offenen Straße zusätzliche Kraft verlangen. Eine kompakte Anordnung trägt dieselbe Ausrüstung näher an der natürlichen Form des Bikes und macht sich dadurch im besten Fall deutlich weniger bemerkbar.

Das vollständige CYCLITE Touring Set erhöhte im vorliegenden Test den aerodynamischen Widerstand gegenüber dem unbeladenen Gravelbike um rund 6,6 Prozent. Bei einem typischen Reisetempo von 25 km/h entsprach dies etwa vier Watt. Gemessen am großen Packvolumen blieb dieser Preis moderat, insbesondere im Vergleich zu klassischen Panniers, die seitlich weit aus der Kontur des Fahrrads herausragen.

Rahmen- und Oberrohrtaschen zeigten in einem älteren Protokoll nahezu denselben CdA wie das aktuelle Referenzrad ohne Taschen und könnten damit zu den aerodynamisch günstigsten Positionen für Reisegepäck gehören. Die HANDLE BAR AERO BAG reduzierte innerhalb des vollständigen Touring-Setups den gemessenen Widerstand und verlangte bei 40 km/h rund fünf Watt weniger als derselbe Aufbau ohne diese Tasche. Die genaue Größe dieses Effekts benötigt weitere Wiederholungen, seine Richtung liefert jedoch einen spannenden Hinweis darauf, wie wichtig die Form des gesamten Frontbereichs ist.

Damit löst sich auch die Frage vom Anfang auf. Ein voll beladenes Bikepacking-Rad kostet zusätzliche Energie, doch die Größe dieses Nachteils hängt entscheidend davon ab, wie das notwendige Volumen am Fahrrad verteilt wird. Das Touring Set hält einen großen Teil des Gepäcks innerhalb einer schmalen, länglichen Kontur und transportiert die Ausrüstung dadurch deutlich effizienter als breite seitliche Lösungen.

Auf einer echten Radreise zeigt sich dieser Vorteil selten als spektakulärer Moment auf dem Tacho. Manchmal bemerkt man den halben km/h extra, manchmal fällt dieser aber kaum auf. Trotzdem begleitet er jeden Kilometer leise im Hintergrund. Man kommt mit Schlafsack, Regenjacke, Werkzeug und allem an, was unterwegs gebraucht wird. Und idealerweise bleibt noch genug Zeit, um eine warme Mahlzeit wirklich zu genießen.

Gravelbike mit schwarzem CYCLITE Touring Set in den Bergen

Technischer Prüfbericht

Vollständiger technischer Aerodynamik-Prüfbericht

Der Bericht enthält die vollständigen Messprotokolle, Randbedingungen, Unsicherheiten und die Beschreibung des Outdoor-Testverfahrens.

Technischen Prüfbericht herunterladen

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